Als dem nächsten Akkord zu nähern, da

Als Coltrane 1955 von Miles Davis als Tenorsaxophonist verpflichtet wird, eröffnen sich ihm neue und noch nie dagewesene Möglichkeiten. Am Anfang erstaunt, nutzt Coltrane diese Gelegenheit, um seine harmonischen “Annäherungen”, seine theoretischen Grundlagen, zu entwickeln und auf dieser Grundlage neue Zugänge für sein Spiel zu finden. Der erste Schritt besteht darin, die harmonischen Grenzen des von ihm improvisierten Funktionsgerüsts zu erweitern und damit eine Vielfalt des Spiels zu schaffen, die ihm scheinbar verschlossen geblieben wäre, er hätte sich strikt an das gegebene Akkordmuster gehalten. Diese Art zu spielen versetzt ihn in die Tradition des Tenors, der seinen Ausgangspunkt bei Coleman Hawkins hat. Anders als Lester Young, der immer auf ein entspanntes, melodisches Spiel setzt, bezieht Hawkins seine improvisatorische Basis aus den Harmonien, die er spielt, und aus ihren Breaks – den Arpeggios – setzt er seine Linien zusammen. Coltrane geht jedoch einen entscheidenden Schritt weiter. Er baut seine Phrasen nicht nur auf Akkordbrüchen auf, sondern setzt stattdessen die zugrunde liegenden Änderungen auf andere Breaks, die den Akkorden eine plötzliche Mehrdeutigkeit verleihen. Die Harmonien, die er zusätzlich zum Verbindlichen mit sich bringt, führen zu anderen, variableren Wegen, sich dem nächsten Akkord zu nähern, da er, der Improvisator, die Freiheit hat, sie von anderen Punkten aus anzugreifen. Auf diese Weise ist es möglich, für den Zuhörer neue und unerwartete Linien und Phrasen zu spielen und dem Musiker die Freiheit zu geben, dem bereits Gespielten und Erwarteten auszuweichen. Coltrane praktizierte diese Technik mit Thelonious Mönch, dessen sparsames und karikierendes Spiel ein idealer Grund für Coltranes Spiel war (statt eines C-Maj-Akkordes zum Beispiel spielte Monk manchmal nur die fundamentale und große Septime, manchmal nur Oktave und große Septime So entsteht ein zweiter Ton von Noten im Intervall einer kleinen Sekunde, dh die größte Dissonanz, die jedoch immer noch kohärent den Akkord darstellt, durch den Coltrane das rhythmische Grundkonzept aufbricht: wo man nicht mehr kann identifizieren eine klar zeitbezogene Phrasierung, in der die melodische Sequenz nicht mehr primär in fließenden achte Linien spielt.Viele Vorteile dieser Konzeption führen manchmal zu einer undurchdringlichen Komplexität des Gespielten, so dass Coltranes nächster Schritt nahe war, nämlich der Harmonien, die er mit seinen Arpeggien spielte, nun als funktionale Harmonien, um ein Akkordgerüst zu installieren. Die nun explizit vorhandenen Änderungen ermöglichten es, völlig neue, frische harmonische Texturen, über die man linear improvisieren konnte und somit den Vorteil hatte, unzählige Akkordunterbrechungen nicht in einen einzigen Akkord aufpfropfen zu müssen. Logischerweise fällt auch der Anfang von Coltrane als Komponist in diese Phase, als er gezwungen wurde, Material zu schaffen, das die oben genannten Qualitäten besaß.